Raumschiff Erde

Die Metapher des Raumschiffs Erde setzt angesichts der begrenzten Ressourcen des Planeten Erde und der dadurch entstehenden weltweiten Probleme die Menschheit mit der Mannschaft eines Raumschiffes gleich. Sie wurde u. a. von dem US-Ökonomen Henry George 1879 und 1951 vom US-Philosoph und Erfinder Richard Buckminster Fuller verwendet.

Das Buch „Das Raumschiff Erde hat keinen Notausgang“ (Crutzen u. a., 2011) machte noch einmal mehr deutlich, dass Natur- und Technikwissenschaften einerseits große Erfolge erzielt haben aber andererseits das Leben sehr fragil ist und beides in Einklang gebracht werden muss. Die Metapher wird heute mehr im Sinne der planetarischen Grenzen (>Planetarische Leitplanken) verwendet. Die Wissenschaft muss laut Joachim Borner (Borner, 2014), wenn sie ein wesentlicher Faktor bei der „autodidaktischen Entwicklung der Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde«  (Crutzen u. a., 2011) bleiben will und  in der Transformation als relevante Akteurin anerkannt sein möchte,  im >transdisziplinären Modus ankommen.

Quellen:

Borner, J. (2014) „Wissenschaft trifft Praxis: Was müssen Wissenschaftsprojekte (Forschungs- und Implementierungsprojekte) leisten, um notwendige Klimaanpassungen in Regionen wissenschaftlich zu vermitteln. Ein Essay“, in Beese, K., Fekkak, M., Katz, C., Körner, C., und H.Molitor (Hrsg.) Anpassung an regionale Klimafolgen kommunizieren. München: oecom.

Crutzen, P., Davis, M., Mastrandrea, M. D., Schneider, S. H. und Sloterdijk, P. (2011) Das Raumschiff Erde hat keinen Notausgang. 1. Aufl. Berlin: Suhrkamp Verlag.

Planetarische Leitplanken

Das wissenschaftliche Modell der planetarischen Leitplanken (Rockström u. a., 2009) vermittelt die ökologischen Grenzen der Erde als Belastungsgrenzen unseres einzigen Planeten. Es sind der Klimawandel, der >Biodiversitätsverlust, die negativen Umweltveränderungen durch Bodendegradation, die Wassernutzung, die Vergiftung der Ozeane, die chemische Verschmutzung, das Ozonloch, Zunahme an Treibhausgasen in der Atmosphäre und die Stickstoff- und Phosphor-Kreisläufe. Es zeigt die Gefahren irreversibler und plötzlicher Umweltveränderungen, bei Überschreitung solcher Grenzen, die die Bewohnbarkeit der Erde für die Menschheit einschränken.

Es gibt drei Typen von Leitplanken (WBGU, 2016):

  1. Leitplanken für die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter, wie z. B. Klimawandel oder „Ozonloch“. Hier wird ein global relevanter Teil des Erdsystems gestört.
  2. Leitplanken für akkumulierende regionale Umweltveränderungen, wie z. B. Bodendegradation oder Verlust biologischer Vielfalt.
  3. Leitplanken für nicht erneuerbare und nicht substituierbare Ressourcen, wie z. B. Versorgung der Landwirtschaft mit Phosphor. Treiber und Ursachen für die globalen Umweltveränderungen sind
    • (a) Emissionen und die Nutzung von der Umwelt als Deponie z. B. „Entsorgung“ von Stoffen in Luft, Gewässern, Böden; und
    • (b) Fehl- oder Übernutzung von Ökosystemen und nicht regenerierbaren Ressourcen. Mögliche nachhaltige Entwicklungspfade verlaufen (nur) innerhalb des durch Leitplanken eingegrenzten Bereichs.

Quellen:

Rockström, J., Steffen, W., Noone, K., Persson, Å., Chapin, F. S., Lambin, E. F., Lenton, T. M., Scheffer, M., Folke, C., Schellnhuber, H. J., Nykvist, B., de Wit, C. A., Hughes, T., van der Leeuw, S., Rodhe, H., Sörlin, S., Snyder, P. K., Costanza, R., Svedin, U., Falkenmark, M., Karlberg, L., Corell, R. W., Fabry, V. J., Hansen, J., Walker, B., Liverman, D., Richardson, K., Crutzen, P. und Foley, J. A. (2009) „A safe operating space for humanity“, Nature, 461(7263), S. 472–475. doi: 10.1038/461472a.

WBGU (2016) Hauptgutachten: Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte. Berlin: WBGU.

Narrativ

Narrative sind sinnstiftende Erzählmotive welche in einem Kulturkreis oder einer gesellschaftlichen Gruppe Orientierung vermitteln. Sie haben Einfluss auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird und transportieren  Grundhaltungen und Emotionen. Sie sind „vereinbarte“, per Wiederholung und Weitererzählung anerkannte „Subtexte“ für Wahrnehmungs-, Interpretations- und Verhaltensmodi. Sie unterliegen dem zeitlichen Wandel, sind aber funktionell Beharrungskräfte. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen (>Narration), die mit einer Legitimität versehen sind. Narrative können nicht erfunden werden. Sie werden im kulturellen Diskurs gefunden und vermitteln Zuversicht. Interessanterweise korrespondieren sie mit dem >Sozial robustes Wissen.

Das Vertrauen in ein Narrativ kann ins Wanken geraten, wenn sich widersprechende Botschaften im Kontext des Narratives treffen. Zum Beispiel trifft das zu, wenn einerseits die Verantwortung für das begrenzte Erdsystem gefordert (>Planetarische Leitplanken, >Earth Overshoot Day) und gleichzeitig für das Wirtschaftswachstum geworben wird. >Klimakultur als Wandel gibt es noch nicht als Narrativ. Narrative entstehen dadurch, dass Geschichten, also Narrationen von anderen akzeptiert werden, jedoch kann die Wissenschaft hier nur Angebote machen.

(a) Postwachstum als Gegenentwurf zum  >Wachstumsparadigma

(b) Öko-Utopien, normative Ansätze, und Planetarische Leitplanken.

Alexander Görlach (Görlach, 2016): „Was ist ein Narrativ? Ein Narrativ ist eine Erzählung, in seiner Bedeutung für die Gesellschaft hat er politischen Charakter; er wirkt normativ auf die, die ihn hören. Er konstituiert ein Gemeinwesen.  Ein Narrativ besagt: Hier hörst du, wer wir sind. Für uns Heutige ist eine solche Erzählung ein Relikt aus der Welt des Mythos. Vom Mythos behauptet der israelische Historiker Yuval Harari in seinem Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit, dass er an der Wiege der Zivilisation stehe: Menschen, die sich über die Blutsbande und den eigenen Stamm hinaus als zusammengehörig erleben, legitimieren diese Zusammengehörigkeit über Geschichten gemeinsamer Abstammung und gemeinsamen Strebens. Der Mensch bettet sich, seinen Stamm, seinen Verbund darin ein und vermählt sich durch die gemeinsame Geschichte mit dem Weltenlauf. Er verknüpft dabei die beiden ultimativen Fragen, des Wohers und Wohins….Narrative sind keine Elitenprojekte. Sie unterliegen dem Willen der Bürger in der Weise, dass sich dem kollektiven Wissen und Gedächtnis nur das einprägen lässt, was für ihn plausibel ist. Narrative sind in diesem Sinne die Vorläufer der wisdom of the crowd, der Weisheit der Masse, die sich durch die technologischen Mittel des digitalen Zeitalters heute in einer Weise bestimmen lässt, wie es früher nicht möglich war.“

Quellen:

Görlach, A. (2016) „Narrative : Eine neue Botschaft muss her“, Die Zeit, S. 1–2.

Narration

Eine Erzählung ist eine Form der Darstellung eines Geschehens. Sowohl den Vorgang des Erzählens, als auch dessen Ergebnis, eine Geschichte im Sinne des englischen Begriffs story, nennt man NarrationDer Begriff „Storytelling“ wird häufig verwendet, um Charakteristika guter Erzählkunst zu beschreiben.

Narrationen zur nachhaltigen Entwicklung bestehen einerseits darin, dass Geschehnisse, z. B. Transformationen in Entwicklungen, in einen mehr oder weniger bewertenden Bezug zu Zeit und Raum gesetzt werden oder diesen zeiträumlichen Rahmen überhaupt erst erzeugen (!) (z. B. fiktive >Zukunftsbilder), und andererseits darin, dass die Art und Weise des Erzählens den Sinn für den Inhalt der Erzählung begründet. Im Kontext der großen Transformation geht es also um sinnstiftende (und veränderungsorientierende) Erzählungen, die sowohl die ökologischen, sozioökonomischen und kulturellen Rahmungen (>Planetarischen Leitplanken und soziale Basis) als auch das Design der nachhaltigen Gesellschaft innerhalb der Leitplanken darstellen (>Donut) . Sie können „Initiatoren“ neuer >Narrative sein, wenn sie

  • ein Problem/ Herausforderung in seinem Kontext darstellen
  • den Mut haben, es zu erkennen;
  • den Willen authentisch vermitteln, es zu lösen;
  • die Kraft und Kreativität haben, ein Ziel / >Zukunftsbild zu beschreiben und
  • die Verpflichtung eingehen, es zu erfüllen.

Offensichtlich setzen sich neue Narrative stufenweise durch. Sie entstehen in einer Nische, werden dann von sogenannten Change Agents und Pionieren des Wandels aufgegriffen und schrittweise in die Gesellschaft getragen. Durch die Transformationsforschung ist bekannt, dass sich neue Narrative eher in Krisen durchsetzen als in ruhigen Zeiten und dass es Pfadabhängigkeiten gibt, wonach ein eingeschlagener Weg nicht beliebig, sondern erst an der nächsten „Weggabelung“, also bei einer passenden Gelegenheit verlassen werden kann.

Nachhaltigkeitsziele

Die Vereinten Nationen haben 2015 insgesamt 17 Ziele beschlossen, um gemeinsam mit allen Mitgliedsstaaten die Erdsysteme wieder in ein Gleichgewicht zu bringen (UN, 2015).

Ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Diese 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs für Sustainable Development Goals) decken darum nicht nur den Bereich Umwelt ab, sondern dienen auch der Erreichung eines besseren Lebens der Menschen.  Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen zielt auf die Erreichung der SDGs und ihrer zugehörigen Indikatoren ab, wobei jedes Land einen nationalen Aktionsplan folgt (Die Bundesregierung, 2016). In ihr werden die zuvor getrennten UN-Verhandlungsprozesse, zu nachhaltiger Entwicklung und Klimawandel unter dem Dach der „Transformation zu nachhaltiger Entwicklung“ zusammengeführt. Die 2030-Agenda verfolgt den Grundsatz, auch die Schwächsten und Verwundbarsten mitzunehmen, im Sinne von  „leave no one behind“, und erhebt den Anspruch den kommenden Generationen die Chance auf ein erfülltes Leben zu sichern. >Donut

Quellen:

Die Bundesregierung (2016) Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Neuauflage 2016. Berlin.

UN (2015) Transforming our world: The 2030 agenda for sustainable development. New York. doi: 10.1007/s13398-014-0173-7.2.

Nachhaltigkeitstransformation

Die Nachhaltigkeitstransformation ist die notwendige nachhaltige Veränderung der Gesellschaft um ein zukünftiges >Gutes Leben der Menschen auf dem Planeten innerhalb der >Planetarischen Leitplanken zu ermöglichen. >Transformationsdesign „Der WBGU (2011) betont, dass die Nachhaltigkeitstransformation als Transformationsprozess „mittlerer Reichweite“ krisenbedingt unter einem hohen Handlungsdruck stehe und einer hohen Geschwindigkeit bedürfe. So sei beispielsweise das 2°-Ziel nur einzuhalten, wenn sehr schnell grundlegende steuernde Eingriffe erfolgen würden.“ (Reisch, L.; Bietz, 2014, S. 11)

Quellen:

WBGU (2011) World in Transition—A Social Contract for Sustainability, Flagship Report. Berlin: German Advisory Council on Global Change.

Reisch, L.; Bietz, S. (2014) „Zeit für Nachhaltigkeit – Zeiten der Transformation: Elemente einer Zeitpolitik für die gesellschaftliche Transformation zu nachhaltigen Lebensstilen“, S. 70.

Lernen

(a) Informelles Lernen: Entdecken lernen der Transformation und nachhaltiger Entwicklung >transformative literacy. Informelles Lernen ist nicht gesteuert.

(b) formelles Lernen: >BNE in formalen Bildungsstrukturen.

„Man muss als Lernender mit einem Problem konfrontiert sein, dass einen wirklich bewegt – und dann die Erfahrung machen, dass es sich lösen lässt. Lernen in diesem Sinne ist ein selbstorganisierter Aneignungsprozess. Man bekommt Wissen nicht eingetrichtert, sondern baut es selbst auf.“(John Erpenbeck, 2017)

Unter „Widerständigen Lernen“ oder „Defensiven Lernen“ von Klaus Holzkamp versteht man „ein Lernen, was auch ohne Interesse am Lerngegenstand, und ohne eine auf diesen bezogene Lernmotivation, erfolgt. Es hat zum Ziel, einer Beeinträchtigung der Lebensqualität des Lernenden entgegenzuwirken.“ (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Widerst%C3%A4ndiges_Lernen / (Holzkamp, 1993) Lernen ist ein „aktiver Prozess der Aneignung zur Orientierung in der gesellschaftlichen Umwelt.“ Durch die Entfremdung des Lernens in Bildungseinrichtungen werden die Lernbedürfnisse und -interessen der Schüler übergangen. Das (schulische) Lernen wird als eine Sonderveranstaltung gesehen.

Das Gegenkonzept ist das „Expansive Lernen“, bei welchem der oder die Lernende die Sinnhaftigkeit des Lernziels einsieht und für sich übernimmt.: (1) Handlungsproblematik: Die lernende Person stößt von sich aus auf Grenzen in ihrem Handeln (z. B. Sprachbarriere) (2)  Lernproblematik:  Die Person geht aus ihrem eigenen Interesse heraus nun zu einer Lernhandlung über und erschließt sich neue Kenntnisse (z. B. Sprachkurs) (3) Lernschleife: Die lernende Person hat durch ihre neuen Kenntnisse an Handlungsfähigkeit gewonnen, also expansiv ihre eigenen Handlungsspielräume erweitert (z. B. kann sich in neuer Sprache verständigen) (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Widerst%C3%A4ndiges_Lernen).

Quellen:

Holzkamp, K. (1993) Die Fiktion administrativer Planbarkeit schulischer Lernprozesse, Lernwidersprüche und pädagogisches Handeln. Wien, Marburg.

Kontroverse

Kontroverse wird mit einer Toleranz gegenüber Ambiguitäten und als ein Ausdruck kollektiver Intelligenz verstanden (Heinrich-Böll-Stiftung, 2010). „Eine Kontroverse ist ein länger anhaltender Streit oder eine Debatte. Als Kontroverse lassen sich sowohl eine private Debatte zweier Einzelpersonen als auch (…) der Streit zweier Parteien verstehen. Es liegt in der Natur der Kontroverse, dass sie nicht mit der Absicht eines abschließenden Entweder-Oder geführt werden kann; sie wird daher häufig von Polemik und Streit begleitet. (Quelle:  de.wikipedia.org)

In der Nachhaltigkeits- und Transformationsdebatte werden die Kompetenzen zum Umgang mit Kontroversen als eine unbedingte Gelingensbedingungen eingestuft.

Quellen:

Heinrich-Böll-Stiftung (2010) Urban futures 2050: Szenarien und Lösungen für das Jahrhundert der Städte, Schriften zur Ökologie Band 18. Berlin. doi: 10.1017/CBO9780511778483.013.

Klimakultur

Klimakultur sind die systemischen und kulturellen Voraussetzungen gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse zur Anpassung und Bewältigung des Klimawandels (KWI, 2008). Obwohl aufgrund der bereits steigenden globalen Temperaturen und negativen Effekte vor allem Klimaanpassung langfristig von Bedeutung ist, ist der Schutz des Klimas im aktuell schrumpfenden Zeitfenster ebenso wichtig.

Quellen:

KWI (2008) Projekt KlimaKultur.

Interdisziplinarität

Interdisziplinär bedeutet „zwischen verschiedenen Disziplinen“ bzw. „Disziplinen übergreifend“. Interdisziplinarität analysiert, synthetisiert und homogenisiert Links zwischen den Disziplinen in ein koordiniertes und kohärentes Ganzes, und baut entsprechend Brücken zwischen den Disziplinen. Sie kombiniert verschiedene analytische Tools, um komplexe Probleme zu bewältigen.