Transmediales Erzählen

Transmediales Erzählen ist der Versuch, die transdisziplinären Prozessperspektiven und Ergebnisse in eine Verständigungssprache zu bringen. Transmediales Erzählen ist eine narrative Konsequenz der Medienkonvergenz, also eines Prozesses der Verschmelzung von Medien und Kommunikationskanälen auf einer technischen, inhaltlichen und auf einer Ebene der Mediennutzung. Dieser Prozess wird mit der Digitalisierung der Medien und der Entstehung des World Wide Web in Verbindung gebracht. Transmediales Erzählen basiert auf der Annahme, dass es medienübergreifende Narrationen gibt, das Medien aber auch spezifische narrative Formen aufweisen (Ryan 2004). Entsprechend hat der amerikanische Medienwissenschaftler Henry Jenkins transmedia storytelling als Prozess bezeichnet, in dem wesentliche Elemente einer Geschichte systematisch über mehrere mediale Kanäle verbreitet werden, um ein einzigartiges Unterhaltungserlebnis herzustellen, bei dem jedes Medium in günstigsten Fall seinen ganz eigenen Beitrag zur Gesamtgeschichte leistet (Jenkins 2006). Wenn Jenkins fiction spricht, dann meint er damit auch fiktionale Geschichten und wenn er von entertainment spricht, meint er damit zuerst auch Massenunterhaltung. Transmediales Erzählen wurde zunächst und wird weiterhin insbesondere in der Populärkultur (z.B. „Matrix“, „Star Wars“, „Lost“, Marvel Universum) eingesetzt. In vielen Fällen finden sich Verbindungen von Film, Fernsehen, Comic, Literatur und Internet, die partizipative Angebote an Zuschauer machen, die zu Usern werden. Transmediales Erzählen findet sich aber auch im Bereich des Aktivismus (https://transmediaactivism.wordpress.com/), des Journalismus (wo es im Kontext des crossmedialen Publizierens steht) und der Bildung für nachhaltige Entwicklung (CCCLab). Wenn aber die ökonomische Verwertung des Erzählens durch Medienunternehmen in einer Welt der Medienkonvergenz und transmedialer Erzählkonzepte eine wesentliche Rolle (vgl. Renner in Renner/von Hoff/Krings 2013) spielt, besteht Grund zu Annahme, dass transmediales Erzählen in nicht-kommerziellen Zusammenhängen wie etwa der Bildung von einer anderen Qualität ist. Diese Qualität ist theoretisch noch kaum erfasst.

Quellen:

Ryan, Marie-Laure (Ed.) (2004) Narrative across Media. The Languages of Storytelling. Lincon, Nebraska u.a.: University of Nebraska Press.

Jenkins, Henry (2006) Convergence Culture: Where Old and New Media Collide. New York und London: New York University Press 2006.

Renner, Karl N., Dagmar von Hoff und Matthias Krings (Hrsg.) (2013) Medien-Erzählen-Gesellschaft: Transmediales Erzählen im Zeitalter der Medienkonvergenz. Berlin/Boston: Walter de Gruyter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s